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Austauschprojekt des FSG – Schüler aus Bolivien zu Gast in Pfullingen

(SH) Das Friedrich-Schiller-Gymnasium in Pfullingen ist nur eines von vielen, an dem spanisch unterrichtet wird. Auch Schüleraustausche mit verschiedenen Städten in Spanien sind keine Besonderheit mehr. Ein Austauschprojekt mit Bolivien aber ist etwas Außergewöhnliches. 19 Schülerinnen und Schüler des FSG im Alter von 14 bis 17 Jahren waren im Juli 2018 für vier Wochen zu Gast in Sucre, der 2.800 Meter hoch gelegenen Hauptstadt Boliviens. Im Gegenzug besuchten nun zwölf bolivianische Austauschschüler und Schülerinnen ihre Gastfamilien in Pfullingen. Der Austausch kam auf beiden Seiten so gut an, dass er fortgeführt und in eine echte Partnerschaft ausgebaut werden soll.

 

Organisiert wurde das sozial geprägte Austauschprojekt von den beiden Spanisch-Lehrern des FSG Jochen Rohn und Marcelo Rauscher. Letzterer hat bolivianische Wurzeln, deshalb lag die Idee für das Schulprojekt in Kooperation mit dem südamerikanischen Land nahe. „Bolivien eignet sich sehr gut als Land für einen Schüleraustausch, weil es dort eine authentische Kultur gibt und die Leute sauberes Spanisch sprechen,“ erklärt Rauscher. 2017 traf er sich vor Ort mit verschiedenen Schulen und sozialen Organisationen und fand schließlich zwei geeignete Partnerschulen in Sucre, sowie eine ländlich gelegene staatliche Grundschule für ein geplantes Sozialprojekt.

 

Unterstützung für die staatliche Grundschule Yotalilla

Nur 30 Minuten von der im andinischen Hochland gelegenen Hauptstadt entfernt befindet sich die Grundschule Yotalilla, an welcher die deutschen Schüler die ersten beiden Wochen ihres Aufenthalts im Sommer aktiv waren. Die Schüler sollten nicht nur Land, Leute und Kultur kennenlernen, sondern sich auch sozial engagieren. Deshalb fanden im Vorfeld der Reise verschiedene Spendenaktionen statt, die von Schülern, Eltern, Lehrern und dem Förderverein des FSG organisiert und unterstützt wurden. Die Resonanz war groß und so konnten viele Wünsche der bolivianischen Grundschule erfüllt werden. Dank der Spenden konnte zum Beispiel Baumaterial finanziert werden, mit dem die Dorfbewohner neue sanitäre Anlagen für die Schule in Eigenarbeit bauten. Außerdem wurden dringend benötigtes Schulmaterial sowie Sport- und Spielgeräte angeschafft.

Die Dankbarkeit des bolivianischen Dorfes war groß, die deutsche Austauschgruppe wurde mit einem großen Fest empfangen. Gemeinsam mit den Grundschulkindern wurden zwei Wochen lang Workshops und Projekte zur vielfältigen Begegnung bei Spiel, Sport, Musik und Sprache durchgeführt. Die bolivianischen Kinder beeindruckten die deutschen Jugendlichen mit traditionellen Tänzen und umgekehrt kam das Plätzchen backen sehr gut an. Die anderen beiden Wochen verbrachten die deutschen Schüler mit ihren Austauschpartnern an deren Schulen in Sucre.

 

Die Schule in Deutschland ist ganz anders

Im November kamen nun die bolivianischen Schüler zu Besuch nach Pfullingen. Insgesamt 8 Wochen waren die Schülerinnen und Schüler im Alter von 16 Jahren in Pfullingen. Kurz vor dem Rückflug freuten sie sich besonders über den vielen Schnee, den es in ihrer Heimatregion nicht gibt. Obwohl sie ihre Familie und Freunde vermissen, würden die Schüler am liebsten hierbleiben. Nicht nur wegen des Schnees, auch wegen der schönen Landschaft, der freundlichen Schwaben und des hohen Unterrichtsniveaus. Vor allem die Ausstattung der Schule beeindruckt die bolivianischen Schüler. „So viel Technologie, Musikinstrumente, die Mediothek – das kennen wir von Bolivien nicht. Die Bücher müssen wir in jedem Schuljahr selbst kaufen. Hier ist das Lern-Niveau sehr hoch, alle lernen viel im Unterricht. In Bolivien müssen wir sehr viel selbständig zuhause erarbeiten“, stellen die Schüler fest. Einige von ihnen haben ein klares Ziel: nach ihrem Schulabschluss in zwei Jahren wollen sie wiederkommen, um an einer deutschen Universität zu studieren.

 

Deutsch-bolivianische

Essgewohnheiten

Im alltäglichen Leben bei ihren Pfullinger Gastfamilien haben sich die Bolivianer über so Manches gewundert. Dass man im Haus ohne Schuhe läuft, daran mussten sie sich erst gewöhnen. Und mit dem Tempo der Deutschen kamen sie manchmal nicht ganz mit. „Die Deutschen machen alles schnell, sie essen schnell, sie laufen schnell, alles immer schnell.“ Am Meisten erstaunt hat sie aber, dass man hier das Essen selbst schöpfen darf und sich so oft Nachschlag holen darf, wie man will. Die bolivianische Mama hingegen serviert für Jeden eine Portion, mehr gibt es nicht und diese Portion muss dann auch leer gegessen werden, ob es schmeckt oder nicht.

An dieser Stelle wird der vermeintliche Unterschied dann doch irgendwie wieder zur Gemeinsamkeit: „Gessa wird was uff dr Disch kommt!“ war (und ist mancherorts noch) auch hierzulande eine bekannte Devise.

Weitere schwäbisch-bolivianische Essgewohnheiten können im Jahr 2020 wieder ausgetauscht werden, dann soll der nächste Schüleraustausch stattfinden.

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