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Martinskirche Pfullingen: Turmsanierung fast fertig

(SH) 3 Jahre soll sie dauern, die Sanierung der evangelischen Martinskirche auf dem Pfullinger Marktplatz. Mit dem Gerüstbau im März dieses Jahrs fiel der Startschuss für die lang geplante und aufwendige Sanierung.

Den ganzen Sommer über wurde in luftiger Höhe am Kirchturm geschafft: die Arbeiten der Zimmerleute am Dach des Kirchturms befinden sich nun in den letzten Zügen und auch der Steinmetz ist mit dem Ausbessern der Natursteine fast fertig. Aktuell sind die Maler mit dem Putz beschäftigt und der Flaschner belegt das Turmdach mit Kupfer. Verläuft auch weiterhin alles nach Plan, kann im November ein Teil des Gerüsts abgebaut werden, dann soll die Sanierung des Turms abgeschlossen sein. Der leitende Architekt Eberhard Wurst ist zuversichtlich, dass der Zeitplan eingehalten werden kann.

Neuer, harmonischer Glockenklang

Den Kirchglocken stehen noch kleinere Ausbesserungen bevor: die Klöppel werden mit einem weicheren, moderneren Material ausgestattet, an den Glockeninnenseiten wird stellenweise neues Metall angebracht und die Aufhängung wird erneuert. Ebenso die Schallläden für die Glocken: Die lamellenartig angebrachten Hölzer werden in einem neuen, horizontaleren Winkel befestigt. Hierdurch wird der Schall weiter nach außen getragen und das Glockengeläut wird in der direkten Umgebung leiser erklingen. Der Glockensachverständige ist überzeugt, dass die Glocken dadurch auch harmonischer klingen werden.

Überraschungen auf den zweiten Blick

Natürlich hält so ein altes und besonderes Monument auch die ein oder andere Überraschung bereit, die bei den Voruntersuchungen nicht ersichtlich war. So die Feststellung, dass die Schäden, die der Zimmermann jüngst am Holzgebälk ausbesserte, schon über 200 Jahre alt sind. Diese Tatsache ist insofern überraschend, da die Kirche seit 1773 mehrfach saniert wurde, zuletzt im Jahr 1982. Eberhard Wurst führt die sehr alten Schäden darauf zurück, dass bei den vorherigen Sanierungen die notwendigen technischen Mittel zur Ausbesserung fehlten. Leider sei die Dokumentation der letzten Sanierungen ziemlich dürftig, meint der Architekt. Trotzdem kann anhand der Unterlagen nachvollzogen werden, wie die über 200 Jahre alten Schäden entstanden sind. Eine Besonderheit des Pfullinger Kirchturms ist seine achteckige Form. Bis zum Jahr 1773 war der aus einer Holzkonstruktion bestehende Turm schief und drohte umzufallen. Aus diesem Grund wurde er im Jahr 1773 um das bestehende Fachwerk herum neu gebaut. Die (vermutliche) Freude über den neuen Turm war von kurzer Dauer, denn bereits ein Jahr später schlug der Blitz ein. Die Möglichkeiten zur erneuten Sanierung des Turms waren erst im Jahr 1817 gegeben, was wiederum bedeutet, dass in den 43 Jahren dazwischen viel Wasser in den Turm eindringen konnte. Die so entstandenen Schäden konnten erst jetzt, im Jahr 2019, behoben werden. Die Zimmermänner fanden aktuell im Turm drei bis vier horizontale Holzlagen vor, die aus unterschiedlichen Richtungen zusammenliefen. Entsprechend kompliziert war die Erneuerung der Hölzer, vor allem dann, wenn nur das unterste kaputt war.

Illegale Kirchturmbewohner

Auch die Eichenbögen an den Ziffernblattgauben waren eine große Herausforderung bei der Sanierung. Und nicht nur heute, sondern sicher auch schon damals beim Bau: „Die halbrunde Form war für die damalige Zeit sehr besonders und teuer“, erklärt Eberhard Wurst.

Zwei der insgesamt vier Gauben waren heute so mitgenommen, dass sie komplett demontiert und in einer Schreinerei in Gammertingen restauriert wurden. Die anderen beiden konnten vor Ort ausgebessert werden. In den Gauben war die zweite Überraschung versteckt: unzählige Mücken hatten das Holz belagert. Die winzigen Tierchen, die nicht zugeordnet werden konnten, verschwanden über den Sommer und tauchten überraschenderweise im Herbst wieder auf. Da sie aber offensichtlich keine Schäden am Holz anrichten, sieht der Architekt in dieser Sache keinen weiteren Handlungsbedarf.

Nachrichten für die Nachwelt

Die Zifferblätter haben einen Durchmesser von 2,11 Meter und werden derzeit bei Walz Uhren überarbeitet, bevor sie wieder an die in neuem Kupferglanz strahlenden Gauben angebracht werden. Auch der Hahn befindet sich noch bei der Restauratorin. Bald wird auch dieser wieder in rund 40 Metern Höhe seinen Platz einnehmen.

Wenige Meter unterhalb des Hahns wird auch die eiserne Zeitkapsel angebracht werden. Bei jeder Sanierung wird diese geöffnet und mit jeweils aktuellen Zeitzeugnissen befüllt. Welche Dokumente und Botschaften nun für die nachfolgenden Generationen hineingelegt werden, diskutiert derzeit der evangelische Kirchengemeinderat. Man werde auf jeden Fall Stadtarchivar Stefan Spiller zu Rate ziehen, meint Kirchengemeinderat Helmut Schwarz. Ob der Inhalt der Dokumente vor dem erneuten Verschließen publik gemacht wird, steht noch nicht fest. Nur eins ist sicher: die Kugel wird weniger abenteuerlich befestigt werden, als es im Jahr 1956 der Fall war: damals kletterten einige Mutige, nur mit einem Seil gesichert, am Kirchturmdach hinauf. Wie gut, dass diese Arbeit heute auf dem sicheren Gerüst mit herrlichem Ausblick über Pfullingen möglich ist.

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