Selbsthilfegruppe für Menschen mit Angst- und Panikstörungen in Pfullingen
(BW) Angststörungen und Panikattacken zählen zu den am häufigsten unterschätzten seelischen Belastungen. Rund 6,5 Prozent der Menschen in Deutschland waren laut einer Studie der KKH 2023 betroffen. Diese Zahl nimmt kontinuierlich zu. Die Gründe dafür sind vielfältig, es kann sich dabei um Kindheitstraumata, körperliche oder seelische Gewalt oder andere psychische Faktoren handeln. Laut KKH können aber auch Dauerstress, berufliche Belastungen oder Konflikte mit der Familie zu Angststörungen führen. Dennoch fällt es vielen schwer, offen darüber zu sprechen. Ein Grund, weshalb Bettina Kaplan aus Pfullingen im September 2025 die Initiative ergriffen hat. Nachdem sie im Umkreis keine Selbsthilfegruppe für Angst und Panikattacken gefunden hatte, entschloss sie sich selbst eine Gruppe zu gründen.
Kaplan weiß aus eigener Erfahrung, wie belastend die Erkrankung sein kann. „Für mich war es unglaublich schwierig, mir selbst einzugestehen, dass ich unter Ängsten und Panikattacken leide“, sagt sie. Ihre eigenen Attacken begannen nach einem Schlüsselerlebnis: Sie hatte sich beim Essen verschluckt – ein Moment, der sich tief in ihr Gedächtnis eingebrannt hat. „Natürlich ist es in der Erinnerung schlimmer, als es vielleicht war, aber daraus hat sich eine Erstickungsphobie entwickelt.“
Als sie merkte, dass es im Umkreis keine Anlaufstelle für Betroffene gibt, veröffentlichte sie ihren Plan zur Gründung einer Selbsthilfegruppe auf Facebook. Die Resonanz war erstaunlich groß – ein Zeichen dafür, wie viele Menschen sich Unterstützung wünschen. Doch beim ersten Treffen kamen nur drei Personen. „Offenbar ist die Angst, sich zu ‚outen‘, noch immer sehr groß“, sagt Kaplan.
Was passiert bei einer Panikattacke?
Die Symptome sind vielfältig und für Betroffene oftmals überwältigend: Hitzewallungen, Herzrasen, Atemnot, ein Gefühl des Erstickens, brennende Hitze im Hals – und vor allem eine überwältigende Todesangst. Panikstörungen können sich in verschiedenen Formen äußern: von sozialen Phobien über Agoraphobie (Platzangst) bis hin zu spezifischen Ängsten wie Spinnen- oder Höhenphobie.
Alleine aus diesem Teufelskreis herauszukommen ist für Betroffene meist schwierig bis unmöglich, auch weil eine Diagnose nicht immer einfach ist. Laut AOK werden Angststörungen in der Regel mit Psychotherapie und Medikamenten behandelt. Zusätzlich kann eine Selbsthilfegruppe helfen die Erkrankung zu überwinden. Denn der Austausch vermittelt den Betroffenen, dass sie mit ihren Problemen nicht alleine sind.
Das bestätigt auch Kaplan: „In der Gruppe geht es vor allem darum, Erfahrungen auszutauschen und das Gefühl zu entwickeln, nicht alleine zu sein. Man kann voneinander lernen und gemeinsam Strategien entwickeln, um besser mit der Angst umzugehen“.
Treffen & Kontakt
Die Selbsthilfegruppe in Pfullingen trifft sich jeden zweiten Dienstag im Monat, jeweils von 19.00 bis 21 Uhr im Bürgertreff, Große Heerstraße 9.
Kontakt: Bettina Kaplan
Telefon: 07121 1363845
E-Mail: selbsthilfegruppe-pfullingen@vodafonemail.de, das nächste Treffen findet diesmal am Dienstag, 24. März statt.
Erste Hilfe bei einer Panikattacke – kurz erklärt
Wenn plötzlich Herzrasen, Atemnot, Schwindel oder ein Gefühl von Kontrollverlust auftreten, steckt häufig eine Panikattacke dahinter. Sie ist zwar extrem belastend, aber medizinisch nicht gefährlich.
Das hilft Betroffenen sofort:
- Ruhig atmen: Langsam durch die Nase ein- und länger
ausatmen. Das reduziert die typische Überatmung
(Hyperventilation), die viele Symptome verstärkt. - Bodenkontakt spüren: Füße fest auf den Boden stellen,
Schultern lockern – das beruhigt den Körper. Sich zu „erden“ - Machen sie sich klar „Das ist eine Panikattacke – sie geht
vorbei.“ Dieser Satz nimmt Druck und Angst. Man muss
sich bewusst machen, dass die Panikattacke sehr belastend
aber körperlich nicht gefährlich ist.
Panikattacken wirken dramatisch, doch sie lassen meist nach wenigen Minuten wieder nach. Häufen sich die Anfälle, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden, um körperliche Ursachen auszuschließen.




