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GWW – Internet für alle

Für eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ist die Internetnutzung in der heutigen Zeit für Menschen mit Behinderungen und hohem Unterstützungsbedarf unabdingbar. Grundvoraussetzung dafür ist eine Internetverbindung und die notwendigen Hilfsmittel zur Nutzung des Internets. Mit dem Projekt „Internet für alle“ setzt die Gemeinnützige Werkstätten und Wohnstätten GmbH (GWW) teilweise die Forderungen der UN-Behindertenkonvention für eine gleichberechtigte Teilhabe der Menschen mit Beeinträchtigung in den verschiedenen Lebensbereichen um.

Die GWW war eine der fünf Gewinner des mitMenschPreises mit Preisverleihung im Evangelisches Bildungszentrum Hospitalhof in Stuttgart. Bereits zum sechsten Mal wurden mit dem mitMenschPreis Projekte und Initiativen ausgezeichnet, die Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf mehr Selbstbestimmte Teilhabe ermöglichen. „Internet für alle“ setzt sich unter 70 Bewerbern durch und landet auf Platz 2 – hinter „Echt mein Recht“ des PETZE Instituts für Gewaltprävention gGmbH aus Kiel. Pfarrer Frank Stefan, Vorstandvorsitzender des Bundesverbands evangelische Behindertenhilfe (BeB): „Seit 2010 zeichnet der BeB beispielhafte Projekte aus, die die Teilhabe von Menschen mit Behinderung in besonderer Weise fördern. Wir freuen uns, dass das nun nach einer coronabedingten Pause diese 5 Projekte würdigen können.“

Menschen mit Beeinträchtigung erhalten die Qualifikation gleichberechtigt digital in verschiedenen Lebensbereichen des Sozialraums teilzuhaben. Das bedeutet selbstständig Online-Banking durchzuführen, Einkäufe zu tätigen, zu streamen, zu kommunizieren, sich privat weiterzubilden oder Social Media nutzen. Dies führt auch zur Erhöhung der Selbstständigkeit/Eigenständigkeit im Rahmen der Persönlichkeitsentwicklung der Zielgruppe bei, welches die Lebensqualität jedes Einzelnen steigert.

Menschen mit Beeinträchtigung brauchen zum Teil geeignete technische Hilfsmittel, um eine Teilhabe im Netz zu ermöglichen. Die GWW GmbH befähigt Menschen mit schweren Beeinträchtigungen für gleichberechtigte Teilhabe im Netz. Durch das Projekt „Internet für alle“ können Menschen nun das Internet privat und für gemeinschaftliche Zwecke nutzen. In 15 verschiedenen Wohnformen, acht Bereichen der Tagesstruktur für die Senioren*innen und für den Förder- und Betreuungsbereich wurden Hardware für den Internetanschluss und Endanwendung angeschafft.

Das Ergebnis lässt sich zeigen: Der Magic-Arm und die iPad Halterung ermöglichen eine individuelle Anpassung an die körperliche Situation. Mit dieser Hilfe ist es nun möglich, auch im Rollstuhl oder im Bett auf das iPad zu sehen oder mit Tastern das iPad zu bedienen. Zur Bedienung des iPads verfügt Apple über mehrere Möglichkeiten von Bedienungshilfen: Sprachsteuerung, ein Augen-Scanning und ein Fadenkreuz, mit dem Bereiche auf dem Display angesteuert werden können.

180 Menschen mit Behinderung, 48 Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf und 57 Betreuungsfachkräfte werden qualifiziert, den richtigen Umgang mit Hard- und Software zu finden. Der Ansatz einer bedarfsgerecht entwickelten Qualifizierung hat den Ursprung in der Fokussierung und Achtsamkeit. In den Qualifizierungen wird neben dem Umgang und Anwendung der Hardware auch die Medienkompetenz und Information über Möglichkeiten und Risiken der Internetnutzung von der 1a Zugang Beratungsgesellschaft mbH geschult. Somit werden die Menschen Beeinträchtigung für die digitale Welt sensibilisiert hinsichtlich Ihrer Achtsamkeit in Haltung und Handeln. Durch die Achtsamkeit in Haltung und Handeln wird das Wohlbefinden gestärkt und Stress-Resilienzen der Menschen mit Beeinträchtigung gesenkt.

Mittels digitaler Teilhabe können Menschen mit Beeinträchtigung in sozialen Medien oder politischen Foren sich selbstbestimmt und selbstständig aktiv beteiligen. Sie werden sichtbar. Das zentrale Element und der Erfolg dieser Plattformen ist die Gemeinwesensorientierung. Menschen mit Beeinträchtigung werden als ein selbstverständlicher Teil unserer Gesellschaft und unserer Gemeinschaft von verschiedenen Internetnutzern wahr- und ernst genommen. Sie erfahren Wertschätzung zu sich selbst und von anderen. Die virtuelle Begegnungskultur der Menschen mit und ohne Beeinträchtigung auf Augenhöhe fördert die Sensibilisierung des öffentlichen Bewusstseins für die Bedürfnisse und Belange der Menschen mit Beeinträchtigung. Vorhandene Vorurteile, Ängste und vorhandene „Kopfbarrieren“ gegenüber Menschen mit Beeinträchtigung werden abgebaut. Eine breite und weite gesellschaftliche Entwicklung wird angestoßen. Vorhandene Diskriminierungsansätze im Internet gegenüber Menschen mit Beeinträchtigung werden abgebaut.

Das Projekt „Internet für alle“, das von Aktion Mensch gefördert wurde, bewirkt bei der direkten Zielgruppe eine positive Persönlichkeitsentwicklung und befähigt diese, für ein selbstbestimmtes selbstbewussteres Handeln und Leben. Die tägliche Sichtbarkeit der Menschen mit Beeinträchtigung in den virtuellen Medien verändert Schritt für Schritt die gesellschaftliche Akzeptanz für alle Gesellschaftsschichten.

GWW – Gemeinnützige Werkstätten und Wohnstätten GmbH

Die GWW-Gemeinnützige Werkstätten und Wohnstätten GmbH entwickelt als visionäres Sozialunternehmen seit knapp 50 Jahren fortschrittliche und passende Lösungen für Menschen mit Behinderung in den Landkreisen Böblingen und Calw. Bildung, Arbeit, Wohnen, Förderung und Betreuung von erwachsenen Menschen und Senioren gehören zu den Hauptgeschäftsfeldern des Unternehmens. Die Wirtschaftskunden profitieren durch den Einsatz moderner Technologien und durch umfassende Kompetenzen in der Welt der Automobilzulieferer, Medizintechnik, Maschinenbau, Elektrotechnik und Dienstleister.

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