(StP) Auch in diesem Jahr beteiligt sich das Mühlen- und Württembergische Trachtenmuseum in der ehemaligen Baumann‘schen Mühle am bundesweiten Aktionstag und lädt zu einer spannenden Zeitreise durch die Pfullinger Mühlen- und Industriegeschichte ein.
Am Aktionstag, dem 25. Mai, ist die Baumannsche Mühle von 10.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Um 10.00 Uhr startet eine Führung durch das Mühlenmuseum mit Hartmut Seeger. Um 14.30 Uhr führt Roswitha Zeeb durch das Trachtenmuseum. Bereits ab 10.00 Uhr ist dort zudem die Sonderausstellung des Schwäbischen Albvereins „Andenken fürs Herz – persönliche Erinnerungsstücke einer vergangenen Zeit“ zu sehen. Die Ausstellung präsentiert unter anderem Haarschmuck, Poesiealben und Erinnerungsbilder und gibt Einblicke in die materielle Erinnerungskultur vergangener Generationen.
Bereits im 13. Jahrhundert prägten zahlreiche Mühlen das Leben in Pfullingen. Zu den bekanntesten Anlagen zählten die Baumann‘sche Mühle, die Schlossmühle beim Rempenschloss, die Volk’sche Mühle in der Kraußstraße sowie die Rehm’sche Mühle in der Leonhardstraße. Über die Jahrhunderte hinweg entstanden Mühlen für unterschiedlichste Zwecke: Neben Getreidemühlen gab es unter anderem Säge-, Walk-, Papier-, Hanf-, Flachs-, Öl-, Gips-, Pulver- und Schleifmühlen. Diese Vielfalt machte die Mühlen zu einem zentralen Motor der regionalen Wirtschaft und beeinflusste die Entwicklung der Stadt nachhaltig.
Im Rahmen der Veranstaltung lädt Prof. Waltraud Pustal zu einer geführten Entdeckungstour entlang des WasserErlebnisPfads ein, bei der die Mühlen- und Industriegeschichte Pfullingens lebendig vermittelt wird. Die rund eineinhalbstündige Führung trägt den Titel „Geheimnisse lüften – was uns die einstigen Mühlenstandorte verraten“. Beginn ist um 10.30 Uhr am Mühlenmuseum in der Baumannschen Mühle (Josefstraße 5/2).
Historische Quellen belegen die große Bedeutung der Mühlen für Pfullingen: 1624 wurden neun Mühlen dokumentiert, 1828 sogar 15 Wassertriebwerke. Insgesamt entwickelten sich rund 15 verschiedene Produktionszweige – von Mahl- und Papiermühlen über Textil- und Lederverarbeitung bis hin zu Pulvermühlen und Hammerschmieden. Mit der Industrialisierung, die 1832 mit der ersten Papiermaschine in der Papierfabrik Laiblin begann, wandelte sich die Wirtschaftsstruktur grundlegend. Es folgten große Textilbetriebe sowie Metall- und Lederindustrien. Neben wirtschaftlichem Aufschwung brachte diese Entwicklung jedoch auch ökologische Herausforderungen mit sich.
Einst eine kleine, wirtschaftlich benachteiligte Landstadt, entwickelte sich Pfullingen dank der Wasserkraft der Echaz zu einem bedeutenden Industriestandort. Mit dem Ausbau des Stromnetzes verloren die Mühlen jedoch zunehmend an Bedeutung und verschwanden nach und nach aus dem Stadtbild. Heute ist die denkmalgeschützte Baumann‘sche Mühle die letzte funktionsfähige Mühle der Stadt. Sie beherbergt das Mühlenmuseum sowie das Württembergische Trachtenmuseum und bewahrt damit ein wichtiges Stück regionaler Kulturgeschichte.
Für das leibliche Wohl sorgt der Schwäbische Albverein mit Maultaschen, Kaffee und Kuchen in der Mühlenstube.
