AllgemeinAndere Branchen | MoreMore | deutschPfullinger Journal

Der beste Übersetzungsauftrag 2020 in Deutschland

Friedrich Pflüger aus Pfullingen hat den Ickabog von J.K. Rowling ins Deutsche übersetzt

(BW) Vergangene Woche ist das neue Kinder- und Jugendbuch von J.K. Rowling erschienen, mit dem Titel „Der Ickabog“. Das Buch verstaubte, so die Aussage der Autorin, jahrelang auf dem Dachboden, bevor sie es dieses Jahr im Frühjahr wieder entdeckte und Kapitel für Kapitel online gestellt hatte, damit die Eltern während des Lockdown wegen Corona ihren Kindern etwas vorlesen konnten. Jetzt wurde das Buch zeitgleich in 8 Sprachen übersetzt und verziert mit Bildern aus einem Malwettbewerb. Die Einnahmen aus der englischen Ausgabe will Rowling spenden.

Die deutsche Übersetzung kommt von Friedrich Pflüger, der in Pfullingen lebt und arbeitet. Das Pfullinger Journal hat sich mit ihm über seine Arbeit als Übersetzer unterhalten.

Eine der letzten Seiten des Buchs von J.K. Rowling ist dem Übersetzer Friedrich Pflüger gewidmet, fühlen Sie sich da nicht geehrt?

Pflüger: Ja natürlich, das hat mich sehr gefreut, weil es eigentlich nicht üblich ist, dass der Übersetzer mit Bild und einem kurzen Text so hervorgehoben wird.

Wie war das für Sie das Buch einer so berühmten Autorin zu übersetzen?

Pflüger: Das war bestimmt der beste Übersetzungsauftrag in diesem Jahr in ganz Deutschland, und eine große Ehre. Aber auch sehr herausfordernd und anstrengend. Ich musste innerhalb von 7 Tagen 10 Kapitel übersetzen, das war wie im Akkord. Außerdem geht es in dem Buch sehr zur Sache, es geht um Mord und Totschlag, und da waren die Lektorin und ich uns einig, dass wir das im Deutschen so nicht haben wollten. Wir haben die Wortwahl etwas abgemildert, auch der britische Humor ist ein anderer, da neigen wir im Deutschen dazu uns etwas abgemildert auszudrücken.

Es ist sicher schwer, bei der Übersetzung auch den Ton des Autors zu treffen?

Pflüger: Es ist nicht immer einfach, das stimmt. Beim Ickabog gibt es zum Beispiel ein Gedicht, dort habe ich versucht den Duktus und die Reimform beizubehalten. Das gelingt in der französichen Übersetzung auch ganz gut, während die spanische Übersetzung gar nicht funktioniert.

Auch verwendet J.K. Rowling sehr phantasievolle Namen für die handelnden Personen, da ist es nicht immer ganz einfach die richtige Entsprechung im Deutschen zu finden.

Besonders bei Kinder- und Jugendbüchern ist es manchmal ein innerer Kampf den richtigen Ton und die Atmosphäre zu treffen.

Geht das auch mal schief?

Pflüger: Oh ja. Bei einem Buch hatte ich mal versucht eine innere Sprachmelodie zu schreiben, sozusagen aus Stroh Gold zumachen, die Lektorin hat dann alles umgeschrieben. Bei einem anderen Buch ging es darum Weltliteratur auf Twitter-Länge zu kürzen, das habe ich gleich abgelehnt und den Sprachwissenschaftler vorgelassen.

Wie sind Sie zum Beruf des Übersetzers gekommen?

Pflüger: Ich bin studierter Geologe und ich hatte einige Jahre an einem College in der Nähe von New York einen Lehrauftrag. Dann kam der 11. September und ich bin mit meiner Familie zurück nach Deutschland. Hier hat mich ein befreundeter Übersetzer gefragt, ob ich mir das nicht auch vorstellen könnte. Ich fing zunächst an Bücher über Dinosaurier und populärwissenschaftliche Bücher zu übersetzen, es folgten viele Krimis und, in der Folge von Harry Potter, viele Fantasy-Romane. Dabei habe ich festgestellt, dass man eigentlich gar nicht so gut Englisch können muss, sondern man braucht vor allem ein gutes deutsches Sprachgefühl.

Sie haben ja in den vergangenen Jahren viele Bücher übersetzt aus den verschiedensten Bereichen der Literatur darunter auch politische Bücher, wie jetzt das Buch von Joe Biden „Promise me, Dad“ (Versprich es mir). Worum geht es in dem Buch?

Pflüger: Das Buch ist eigentlich schon vor zwei Jahren in den USA erschienen und es handelt davon wie Joe Biden und Barack Obama zusammen gekommen sind. Obama wollte Biden als Vizepräsidenten, der jedoch zunächst gezögert hatte. Erst als Obama ihm zugesichert hatte, dass Biden immer der letzte sein werde der bei Entscheidungen gefragt werde, hatte dieser zugestimmt. Joe Biden ist eher der herzenswarme Familienvater, während Obama mehr der kaltschnäuzige Typ ist, insofern haben sich die beiden prima ergänzt. Der Titel stammt von einer Aussage von Joe Bidens ältestem Sohn Beau „Versprich mir, dass du dich von meinem Tod nicht runterziehen lässt“.

Vater und Sohn hatten ein sehr enges Verhältnis zu einander, Beau Biden ist jedoch sehr tragisch 2015 an einem Gehirntumor gestorben.

Das amerikanische Buch ist da sehr rührselig, da muss man im Deutschen etwas aufpassen und Fingerspitzengefühl haben, damit die Übersetzung nicht zur Satire wird.

Wann erscheint das Buch?

Pflüger: Wir haben das Buch im Team übersetzt, weil wir unter großem Zeitdruck standen, es soll jetzt rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft am 25. November erscheinen.

Haben Sie schon wieder ein neues Projekt auf dem Tisch?

Pflüger: Ja, alle sechs bis acht Wochen betrete ich eine neue Welt, ich darf was lernen und erfahren. Mein nächstes Projekt wird ein Buch von John Green sein, die Leser kennen vielleicht schon das Buch: „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ von ihm. Ich bin gespannt wie das wird.

Herr Pflüger herzlichen Dank für das Gespräch.

Previous post

Neue Repliken auf dem HAP Grieshaber Weg

Next post

Weihnachtsmänner und die Schnippelkunst