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Tag der offenen Tür am 29. Juli: Der Bahnhof in Kohlstetten erstrahlt in neuem Glanz

(SH) Es war 5 vor 12 als Ulrich Globuschütz 2014 den alten Bahnhof in Kohlstetten kaufte. Das Gebäude stand kurz vor dem Zerfall, der Keller war eingestürzt, die Holzbalken morsch, die Fenster eingeschlagen. Vier Jahre später ist davon nichts mehr zu erkennen: frisch saniert ist der Bahnhof ein echter Blickfang und mit seinem fröhlichen ockergelben Farbton schon von Weitem sichtbar.

„Hausschuhfest“ mit Bewirtung

Am 29. Juli ist es endlich soweit: von 11.00 bis 18.00 Uhr sind alle Interessierten herzlich eingeladen, das Bahnhofsgebäude zu besichtigen. Die Veranstaltung wird von Bürgermeister Mario Storz eröffnet. Selbstverständlich ist auch für das leibliche Wohl gesorgt, die Bewirtung im Außenbereich übernimmt der „Förderverein Bahnhof Honau e.V.“ In den beiden oberen Geschossen des Bahnhofs wurde eine Wohnung errichtet, die vermietet werden soll. Deshalb ist der Tag der offenen Tür gleichzeitig ein Hausschuhfest: „Wer seine Hausschuhe mitbringt, darf die Wohnung besichtigen“, erklärt Globuschütz lachend. Die frisch renovierte Wohnung soll ja nicht schon vor ihrem Erstbezug Abnutzungsspuren aufweisen.

Im Erdgeschoss des Gebäudes befindet sich die Bahnhofsgaststätte, hier wird sich am Eröffnungsfest der neue Pächter Franzis Binder erstmalig präsentieren. Ab Spätsommer wird er im Stationscafé und im angrenzenden Biergarten Gerichte aus regionalen, saisonalen und bio- oder demeter-zertifizierten Zutaten anbieten. „Die klassisch-schwäbische Küche wird man bei uns vergeblich suchen, die gibt es im Umkreis gut und reichlich“, teilt Franzis Binder mit. „Bei uns gibt es kleine Köstlichkeiten, mediterran/französisch geprägt und dazu ausgesuchte Weine.“ Die Karte soll kurz sein, tagesaktuell, mit ausgewogenen wertvollen Gerichten. Das Programm im Bahnhof wird abgerundet mit einer Auswahl an hochwertigen Kaffee- und Kuchenspezialitäten, einem Gin-Kärtle, wechselnden ausgesuchten Biersorten und regelmäßiger Live-Musik.

Das Königlich-Württembergische Erbe wurde aufwändig saniert

Der Kohlstettener Bahnhof wurde im Jahr 1893 zusammen mit dem Schienennetz Honau – Münsingen für die Königlich-Württembergische Staatseisenbahn errichtet. Seit dem Jahr 2000 ist das Gebäude und die Zugstrecke Kleinengstingen – Münsingen Kulturdenkmal. Nach der schrittweisen Stilllegung des Personen- und Güterverkehrs gibt es auf der Strecke heute wieder regelmäßigen Schienenverkehr:

Gourmet-Express mit Dampflok, historischer Schienenbus und ein moderner Triebwagen zur Schülerbeförderung fahren auf der Strecke. Ab 2019 soll der Verkehr bis nach Gammertingen ausgeweitet werden.

Die Arbeiten rund um das Kohlstetter Bahnhofsgebäude befinden sich nun in den letzten Zügen. Momentan wird der Vorbereich für Parkplätze gepflastert und das ein oder andere Detail für die Inneneinrichtung besorgt. Hier das Passende zu finden ist nicht einfach, schließlich soll alles ins historische Gesamtbild des denkmalgeschützten Gebäudes passen: vom Außenanstrich über die Sitzbänke bis zur Beleuchtung.

Ulrich Globuschütz ist sich aber sicher, dass bis zum Eröffnungsfest alles fertig ist. Schließlich hat er hier schon ganz andere Sanierungsarbeiten bewältigt. Seit 2 Jahren steht er täglich nach Feierabend auf der Baustelle und ackert mit Herzblut für seinen Bahnhof. Unterstützt wird er von Familie und Freunden, viele Handwerker hat er engagiert und selbst unzählige Arbeitsstunden in das Projekt gesteckt.

Ulrich Globuschütz ist stolz auf das Geleistete (Foto: SH)

Mit der Sanierung konnte erst im Sommer 2016 begonnen werden, nachdem die Bewilligung für Fördergelder aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum schriftlich vorlag. Den Großteil der Sanierungskosten hat der passionierte Eisenbahnfreund aus Lichtenstein aus eigenen Mitteln aufgebracht. Zu Beginn der Sanierung war es dann schon 5 nach 12 für das marode Gebäude, die Arbeiten am Bahnhof waren nicht ungefährlich.

2 Jahre später sitzt Globuschütz wenige Tage vor der Eröffnung in sommerlicher Hitze vor seinem Bahnhof und klopft geduldig alte Pflastersteine aus dem Beton. Warum er all diese Strapazen auf sich nimmt? „Hier steht jetzt wieder was Schönes für viele Leute. Ich finde es schade, dass man schon andere Kulturgüter kaputt gemacht hat“, erklärt der Eisenbahnfreund und meint damit die Schienen am Reutlinger Südbahnhof und andere Bahnhofsgebäude entlang der früheren Bahnstrecke. Umso mehr freut er sich, dass der Bahnhof nun zeitgleich zum 125jährigen Jubiläum der Schienenstrecke zu neuem Leben erweckt wird.

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