(BW) Über eine Million Menschen sind im Libanon gerade auf der Flucht, wer kann flieht zu Verwandten oder Freunden, die armen oder kranken Menschen und die Alten bleiben wo sie sind, erzählt Ingrid Rumpf aus Pfullingen, die Vorsitzende des Vereins „Flüchtlingskinder im Libanon“, sichtlich erschüttert. Da gerät der eigentliche Anlass des Besuchs bei ihr, nämlich das 30jährige Jubiläum des Vereins, fast in Vergessenheit.
Sämtliche Schulen sind in den Flüchtlingslagern geschlossen, viele Menschen campen auf der Straße oder der Promenade von Beirut, weil sie nicht wissen wohin sie sonst sollen.
Trotz der Not und des chaotischen Zustands im Libanon sei es allerdings erstaunlich wie gut die Menschen dort organisiert sind, betont Ingrid Rumpf. Und damit meint sie nicht nur die Hilfsorganisationen, sondern auch die Zivilgesellschaft, kein Wunder schließlich sind die Menschen dort Krieg und Vertreibung gewohnt.
Für die Grundversorgung der Menschen in den palästinensischen Flüchtlingslagerns ist die UNRWA zuständig die sich mit UNICEF und anderen Organisationen wie beispielsweise die Caritas die Arbeit teilt. So ist die Partnerorganisation des Vereins Flüchtlingskinder im Libanon mit dem etwas sperrigen Namen „National institution of social care and vocational training“ kurz NISCVT, für die psychosoziale Unterstützung von Familien und Kindern zuständig. Vor allem die Kinder, erklärt Ingrid Rumpf, sind durch die Erfahrung von Krieg, Gewalt und Vertreibung schwer traumatisiert. Schließlich leben sie täglich mit den permanenten Kriegsgeräuschen, wie Detonationen, Drohnen, Kampfjets usw. „Man muss sich vorstellen, die Kinder haben Schlafstörungen, Panikattacken, sie gehen nicht mehr raus spielen,“ so Ingrid Rumpf. So bieten die Sozialarbeiterinnen zusätzliche Hilfen an, Freizeitangebote für die Kinder, machen Hausbesuche und bieten psychologische Betreuung. Sogar die Schule findet teilweise statt, nötigenfalls online wo es möglich ist. „Alles was ein bisschen nach Normalität aussieht, hilft den Kindern.“
Da die finanziellen Mittel der UNRWA nicht ausreichen, verteilt die Partnerorganisation der „Flüchtlingskinder im Libanon“ auch Lebensmittel und warmen Mahlzeiten, sowie Decken und Kleidung. Daneben unterstützt der Verein Patenschaften für Kinder und Jugendliche, für beispielsweise Nachhilfeunterricht, Fortbildungsseminare oder Förderkurse für benachteiligte Mädchen. „Es ist schön zu sehen, dass Kinder die wir vor 30 Jahren unterstützt haben, heute zum Beispiel als Erzieherinnen oder Sozialarbeiter arbeiten,“ freut sich Ingrid Rumpf.
Sechs Millionen Spendengelder in 30 Jahren
Immer wieder stellt sie sich die Frage: „Was wäre wenn?“ Was wäre wenn es den Verein „Flüchtlingskinder im Libanon“ nicht gegeben hätte. Immerhin haben sie in diesen Jahren rund sechs Millionen Euro an Spendengeldern gesammelt, die den Kindern dort zu Gute kamen. „Wir haben vielen, vielen Kindern eine Perspektive gegeben,“ freut sie sich „ich bin davon überzeugt, dass Menschen die gut ausgebildet sind, positiv zum politischen Klima beitragen können.“ Wieviel mehr Leid, viel weniger Bildung hätte es gegeben, wenn wir nicht in den letzten 30 Jahren so viele Kinder unterstützt hätten. Allein in den letzten zwei Wochen hat sie, dank eines großen Email – Verteilers rund 75 000 Euro an Spendengeldern sammeln können, mit denen die Kinder im Libanon und ihre Familien unterstützt werden können. „Und dabei machen unsere Partner im Libanon keinen Unterschied ob es libanesische, syrische oder palästinensische Flüchtlinge sind,“ betont Ingrid Rumpf.
Wer die Vorsitzende des Vereins „Flüchtlingskinder im Libanon“ live erleben möchte, hat dazu Gelegenheit beim Pfulbentalk am 23. April zum Thema „Warum Kinder Rechte haben“. Mehr dazu im nebenstehenden Artikel.
Nähere Infos zum Verein unter: www.lib-hilfe.de
Warum Kinder Rechte haben
(SM) Der 29. Talk auf dem Pfulbensofa am Donnerstag, 23. April nimmt das 30jährige Jubiläum des Vereins Flüchtlingskinder im Libanon zum Anlass, das unermüdliche Engagement der Vereinsvorsitzenden und Pfullingerin Ingrid Rumpf für diese Kinder zu würdigen. Als zweiter Gast ist die neue Reutlinger Asylpfarrerin Lena Moeller auf das Sofa eingeladen.
Seit der Gründung des Vereins im Jahr 1996 sind stolze 6 Millionen Euro zusammengekommen, mit denen in die Zukunft der in den palästinensischen Flüchtlingslagern lebenden Kinder investiert wurde.
Hunderte von Kindern wurde über Patenschaften, Bildung, psychologische und medizinische Unterstützung bis hin zu Ausbildungsstipendien die Hoffnung auf eine bessere Zukunft bewahrt werden.
Gerade weil die aktuellen Kriegshandlungen im Nahen Osten die Lage für die Menschen in den Lagern im Libanon noch katastrophaler werden lassen, ist das Wegsehen und Aufgeben für Ingrid Rumpf keine Option.
Lena Moeller sieht diese Verantwortung gerade auch bei der Kirche, wenn es um die Rechte von Geflüchteten geht, die zu uns kommen und zunehmend unter sozialen und politischen Druck geraten. Ihre Aufgabe als Reutlinger Asylpfarrerin geht sie mit dieser klaren Haltung an. Und auch sie stellt sich die Frage, was es mit Kindern macht, die sich mit ihren Familien im Stich gelassen fühlen.
Beide Frauen berichten im Gespräch über ihre Erfahrungen, Beweggründe und Perspektiven ihrer heute so wichtigen Arbeit.
Moderiert wird das Gespräch von Jochen Weeber. Die Musik kommt vom renommierten Jaffa- Trio aus Tübingen.
Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen. Beginn 19.30 im Klarissensaal, Kulturhaus Pfullingen.
