Es gibt Radwege, die man fährt, um Kilometer zu sammeln. Und es gibt Wege, die Geschichten erzählen. Der Lichtensteiner Jürgen Fritsch hat sich für die zweite Variante entschieden und ist der Lebensgeschichte Wolfgangs von seinem Geburtsort Pfullingen bis zu seiner Grablege in Regensburg auf dem 350 km langen WolfgangRadWeg gefolgt.
Dieser orientiert sich an den Etappenorten des Fußpilgerweges, der 2024 zum 1100. Geburtstag des Heiligen eröffnet wurde. Auf 20 Impulstafeln werden Aspekte aus Wolfgangs Leben aufgenommen und als Impulsfragen in die heutige Zeit übertragen. Viele Kapellen und Kirchen am Wegesrand bieten Ruhe, um zu sich zu kommen und über Wolfgangs und das eigene Leben nachzudenken.
Der Aufbruch in Pfullingen
Pfullingen empfängt Radpilger mit dem Gefühl eines echten Neubeginns. Am Kirchplatz der Wolfgangskirche beginnt die Reise an der Skulptur des jungen Wolfgangs, der sein Elternhaus und seine Heimat zur Ausbildung auf der Reichenau verlässt. Noch liegen Regensburg und Bayern weit entfernt, zunächst dominiert die Landschaft der Schwäbischen Alb. Der erste Anstieg beginnt hinter Bad Urach und verlangt Respekt, doch die Ausblicke über die Albhochfläche entschädigen sofort für die Mühe. Die Strecke nach Geislingen führt entlang des Albtraufs, durch Wälder, offene Hochflächen und das Filstal. Immer wieder öffnet sich der Blick über die Täler der Alb. Spiritueller Höhepunkt ist auf diesem Abschnitt ein Abstecher zur Wallfahrtskirche Ave Maria, die wunderschön am Albtrauf oberhalb von Deggingen liegt.
Über die Albhochfläche
Hinter Geislingen verändert sich der Charakter des Weges. Die großen Anstiege sind geschafft, die Albhochfläche ermöglicht entspanntes Rollen über ruhige Nebenstraßen und Wirtschaftswege. Kleine Dörfer mit Zwiebeltürmen und Feldkreuzen prägen das Bild. Ein Höhepunkt dieses Wegeabschnitts ist das Eselsburger Tal mit seinen Felsformationen und Höhlen. Der Weg über die Albhochfläche zur Donau wirkt entschleunigend. Hier wird deutlich, dass der WolfgangRadWeg kein sportlicher Rennkurs sein möchte, sondern ein Radpilgerweg. Zeit für eine Pause auf dem Dorfplatz (Wirtschaften sind leider häufig geschlossen) oder einen Besuch einer Wolfgangskapelle gehört ausdrücklich zum Konzept. Die offiziellen Etappen wurden bewusst so gewählt, dass auch Freizeitradler genügend Raum für Besichtigungen und Erholung haben.
Begegnung mit der Donau
An der Mündung der Brenz in die Donau tritt diese für den Rest der Reise in den Mittelpunkt. Die Landschaft wird weiter, Auenwälder beeindrucken den Pilger, die Höhenmeter verschwinden nahezu. Der Weg folgt nun dem bestehenden Donauradweg und verbindet Naturerlebnis mit bayerischer Kultur. Die Städte entlang des Flusses setzen kulturelle Akzente: die alte Pilgerstadt Donauwörth, die historischen Altstädte von Neuburg und Ingolstadt, die Donauauen bei Neuburg und die eindrucksvolle Flusslandschaft rund um Kelheim. Höhepunkt, wenn auch meistens überlaufen, ist das Kloster Weltenburg. Wer Zeit mitbringt, kann von Kelheim einen Abstecher zur Befreiungshalle oder ins Altmühltal unternehmen.
Die letzten Kilometer nach Regensburg
Der Schlusstag besitzt eine besondere Atmosphäre. Je näher man Regensburg kommt, desto häufiger begegnen dem Radpilger Kirchen und Kapellen, die dem heiligen Wolfgang gewidmet sind. Wolfgang ist Patron des Bistums Regensburg, und seine Präsenz wird hier spürbar. Die Einfahrt nach Regensburg gehört zu den schönsten Momenten der Reise. Nach Tagen durch Natur- und Kulturlandschaften öffnet sich die mittelalterliche Altstadt. Ziel des Weges ist die Basilika St. Emmeram, wo sich die Grabstätte des heiligen Wolfgang befindet. Hier endet nicht nur eine Radtour, sondern auch eine kleine Zeitreise durch das Leben des Heiligen.
Der WolfgangRadWeg verbindet vieles, was eine gelungene Mehrtagestour ausmacht: die Weite der Schwäbischen Alb, ruhige Radwege fernab des Verkehrs, die kulturellen Schätze Bayerns und die stetige Begleitung einer historischen Persönlichkeit. Mit rund 352 Kilometern, sechs gut planbaren Etappen und einer abwechslungsreichen Landschaft eignet sich die Strecke sowohl für Pilger als auch für Genussradler. Wer nicht nur von A nach B fahren möchte, sondern unterwegs auch Geschichte, Natur und Spiritualität erleben will, findet hier einen der interessantesten neuen Radfernwege Süddeutschlands.
Die Beschreibung der Tour im Pfarramt St. Wolfgang angefordert werden: pfullingengen@wolfgangweg.eu. Informationen zu allen Wolfgangwegen: www.wolfgangweg.eu
